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Spätsommer im Haus

Als  ich heute durch den Garten ging, war mir auf einmal deutlich, dass sich der Sommer verabschiedet. Es riecht nach Herbst, die Luft wird nachts wieder kühler, die Felder sind leer. Eine besondere Zeit, der Beginn des Herbsts. Er lehrt uns Loslassen und Abschied nehmen. Vielleicht mit jedem Lebensjahr etwas mehr. Und doch verwöhnt er uns mit warmem Sonnenlicht, tiefen Farben und jeder Menge Köstlichkeiten. Wie schön, ein bisschen davon mit ins Haus nehmen zu können.IMG_0070

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Spiegel unserer Selbst

„In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit dieser erkennen möge, was er in sich selbst sonst vielleicht nicht hätte erschauen können. Dass der Leser das, was das Buch aussagt, in sich selber erkennt, ist der Beweis für die Wahrheit ebendieses Buches.“

aus: Alain des Botton. Wie Proust Ihr Leben verändern kann.

Kunst wirkt berührend und es bringt uns zum Nachdenken. Es ist spannend zu hinterfragen, warum uns bestimmte Bücher gefallen und andere nicht. Warum wir bestimmte Formen von Kunst mögen und andere nicht. Und wenn wir es anderen erklären sollen, ist es vielleicht gar nicht so einfach. Lassen wir die Erklärungen beiseite. Lassen wir uns berühren und erfahren ein Stück mehr von uns selbst.

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Ein bisschen Kindheit

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Wenn ich dieses Gericht koche, ist es immer verbunden mit Gedanken an meine Kindheit. Meine Oma bereitete regelmäßig diese Rindfleischsuppe zu und ich weiß noch genau, wie es roch, wenn ich hungrig aus der Schule kam. Im Stuttgarter Raum spricht man vom „Gaisburger Marsch“. Neben anderen Legenden, gefällt mir diese am besten: den in Kriegsgefangenschaft genommenen Männer wurde erlaubt, von ihren Frauen mit einer Schüssel Essen pro Tag versorgt zu werden. Diese verkochten alles darin, was nahrhaft war und gut schmeckte. Damit marschierten die Frauen dann jeden Tag zu ihren Männern.

Heute ist es für mich ein Zeichen für Einfachheit, Bodenständigkeit. Ich vermeide alle künstlichen Aromen und verwende nur naturbelassene Produkte. Jedes Mal ein bisschen anders. Unerlässlich jedoch:

1 kg Rindfleisch
4 Suppenknochen

Suppengemüse (Karotten, Lauch, Sellerie, Petersilie)
2 Zwiebeln
2 Gewürznelke(n)
1-2 Lorbeerblätter
Kartoffeln
Spätzle (Menge nach Belieben)

Salz, Pfeffer, MuskatFleisch und Knochen in kaltem Wasser ansetzen und 2 Stunden ziehen lassen. Anschließend Gemüse zugeben und etwa eine Stunde weiter ziehen lassen (nicht sprudelnd kochen). Gemüse und Fleisch herausnehmen, Karotten und Fleisch klein schneiden, in der Brühe die geschälten und gewürfelten Kartoffeln weich kochen und die Spätzle zugeben. Das Fleisch und die Karotten unterheben und auf Tellern anrichten und abschmecken. Mit den frisch geschnittenen Frühlingszwiebeln bestreuen.

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Max Frisch. Immer wieder.

 

„Er würde nur wissen, dass sie morgen verreist, dass sie einander niemals wiedersehen werden nach diesem Abend, und das wäre ein Wissen, das ihre Herzen vielleicht freier machte, als sie es jemals waren, frei von allem Vergangenen, das auf uns lastet, und frei von aller Zukunft, die uns zögern lässt, ein Abend, der ganz und gar der Gegenwart gehörte, dem wirklichen Dasein, und wenn man sich küsste, so wüsste man, dass es die ersten und die letzten Küsse sind, und es wären vielleicht Küsse, wie noch nie, Worte wie noch nie,ein Glück, dass voll Abschied ist und niemals verflacht werden kann, niemals verwischt durch Wiederholung, eine Nacht, die nur einmal gewesen ist, und vielleicht wäre es für sie, für Irene, sogar noch mehr, noch mehr als eine große Erinnerung, vielleicht sogar das Schicksal, wozu sie berufen ist.“

aus: Max Frisch. Antwort aus der Stille (1937)

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Mein Juli

Bei Birgitt bin ich zufällig auf die Monatscollagen gestoßen und ich fand die Idee so schön, dass ich mir Zeit genommen habe, über diesen sonnig-gewittrigen Sommermonat Juli nachzudenken. Manchmal fühle ich mich so gehetzt vom Alltag, dass die Zeit zu reflektieren fehlt und mich plötzlich der Gedanke „schon wieder ein Monat vorbei“ überfällt.

Und wenn ich dann rückblickend sehe, wieviel Sonnenschein sich in dem immer wieder auch wolkigen Lebensmonat verbirgt, dann bin ich sehr dankbar über die Möglichkeit, an schönen Orten Kaffee zu trinken, einen wundervollen Beruf zu haben, Zeit zu haben um zu lesen, in die Natur zu gehen und Dinge zu tun, die mir Freude bereiten – umgeben von verschiedensten wundervollen Menschen, die das Leben so bunt machen.

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Sommergemüse mit Hähnchen

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Ich muss gestehen, ich bin keine all zu gute  Köchin. Und auch nicht sehr geduldig. Die liebsten Rezepte sind mir die, die mit geringem Aufwand, einfachen Zutaten und wenig Vorarbeiten durchzuführen sind. Hier ist so ein Rezept. Viel frisches Gemüse, viele natürliche Aromen und ein großer Topf. Beliebig erweiterbar, für unverhoffte Gäste. Mit knusprigem Baguette und kühlem Weißwein ein unkomplizierter, mediteraner Traum…

Zutaten:

  • Hähnchenbrustfilets
  • Zucchini
  • Kirschtomaten
  • Brokkoli
  • rote Zwiebel
  • Paprika
  • frische oder getrocknete Kräuter, etwas Knoblauch
  • Salz, Pfeffer, Olivenöl

Alle Zutaten in kleine Würfel schneiden, Brokkoliröschen zerteilen. Mit Olivenöl und Kräutern würzen und alles zusammen in eine Auflaufform füllen. Im vorgeheizten Ofen bei 220 °C backen. Zwischendurch wenden. Anschließend mit Baguette servieren.

Ohne Verlangen

IMG_9500.JPGEs gibt Bücher, die fallen einem einfach zu. Ich habe weder danach gesucht, noch jemals davon gehört. Es war ein Nachmittag mit ein bisschen Zeit und ein bisschen Melancholie. Klein und unscheinbar in Weiß, zwischen den bunten, großen Büchern fiel plötzlich mein Blick darauf. Motomenai – ohne Verlangen. Und ich nahm es heraus, bestellte Kaffee und las hinein. Alles ist ein bisschen anders in diesem Buch. Und es gibt wenig zu lesen, wenig Worte und viel Leere. Zunächst war ich irritiert, bis sich die Leere der Buchseiten mit meinen Gedanken füllte. Mit leisen, langsamen Gedanken. Mit einem ruhigen Gefühl. Mit einem geschärften Blick. Mit Ruhe.

„Ohne Verlangen – so merkst du, dass du in diesem Augenblick schon genug hast.“

Worte, die mich berühren. Die nicht zum Weiterlesen drängen, sondern zum Innehalten. Das Buch zu schließen und die Augen. Und genau das zu spüren.

aus: Shozo Kajima. Motomenai – Ohne Verlangen. 2. Auflage 2016

Ein Stück von mir…

Ganz unverhofft hatte ich heute die Möglichkeit, an einen Ort zurück zu kehren, den ich länger nicht besucht habe. Meine Studentenstadt, zumindest für einen Teil des Studiums. Es war der Ort, an dem ich die ersten Schritte in die Selbständigkeit tat, das Gefühl hatte, jetzt erwachsen zu sein. Wenn ich heute zurückkehre, dann haben einzelne Orte eine besondere Bedeutung für mich. Sie sind immer noch verbunden mit den Gefühlen von damals und strahlen eine Vertrautheit aus, wie wenige andere. Ich hatte das Gefühl, als wäre ein Stück von mir dort geblieben und beim Schlendern durch die Gassen war es, als würde ich diesem alten Teil von mir begegnen. Und mit einem Lächeln verstand ich plötzlich, wie eine Erfahrung zur nächsten führte. „Das Leben rückwärts verstehen“, davon spricht Kierkegaard. Heute war mir sehr bewusst, was er damit meinte…

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Zauberworte

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Die Gedanken von Viktor Frankl waren mir schon immer sehr nah. Ich beschäftigte mich mit ihm vor Jahren in Fortbildungen und war von Anfang an begeistert von seiner bewundernswert positiven Einstellung zum Leben. Jetzt begegnete er mir in einer Fachzeitschrift wieder und ich erlebte beim Lesen dieselbe Faszination wie damals. Gedanken, mit denen man sich immer mal wieder beschäftigen muss.

„Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: Was das Leben von uns erwartet.“ (Viktor Frankl)

 

erinnert durch: Gehirn&Geist Nr.08/2017

Pfirsichmarmelade mit Rosmarin

Ein bisschen ausgefallen und köstlich zu Käse oder aufs Brot. Ich mag die Verbindung von Kräutern und Obst, von süß und herzhaft, eigentlich vielem, was auf den ersten Blick nicht zusammengehört. Lasst euch überraschen…

1 kg Plattpfirsiche

1 ausgepresste halbe Zitrone

4 Zweige Rosmarin

350 ml Sekt

500 g Gelierzucker 2:1

Pfirsiche waschen und kleinschneiden, mit Zitronensaft beträufeln,  Sekt und Rosmarin dazugeben und weichkochen. Anschließend die Rosmarinzweige entfernen und den Rest pürieren. Den Gelierzucker unterheben und weitere 4 min kochen. In Schraubgläser füllen und gut verschließen.

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