Spiegel unserer Selbst

„In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit dieser erkennen möge, was er in sich selbst sonst vielleicht nicht hätte erschauen können. Dass der Leser das, was das Buch aussagt, in sich selber erkennt, ist der Beweis für die Wahrheit ebendieses Buches.“

aus: Alain des Botton. Wie Proust Ihr Leben verändern kann.

Kunst wirkt berührend und es bringt uns zum Nachdenken. Es ist spannend zu hinterfragen, warum uns bestimmte Bücher gefallen und andere nicht. Warum wir bestimmte Formen von Kunst mögen und andere nicht. Und wenn wir es anderen erklären sollen, ist es vielleicht gar nicht so einfach. Lassen wir die Erklärungen beiseite. Lassen wir uns berühren und erfahren ein Stück mehr von uns selbst.

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Mein Juli

Bei Birgitt bin ich zufällig auf die Monatscollagen gestoßen und ich fand die Idee so schön, dass ich mir Zeit genommen habe, über diesen sonnig-gewittrigen Sommermonat Juli nachzudenken. Manchmal fühle ich mich so gehetzt vom Alltag, dass die Zeit zu reflektieren fehlt und mich plötzlich der Gedanke „schon wieder ein Monat vorbei“ überfällt.

Und wenn ich dann rückblickend sehe, wieviel Sonnenschein sich in dem immer wieder auch wolkigen Lebensmonat verbirgt, dann bin ich sehr dankbar über die Möglichkeit, an schönen Orten Kaffee zu trinken, einen wundervollen Beruf zu haben, Zeit zu haben um zu lesen, in die Natur zu gehen und Dinge zu tun, die mir Freude bereiten – umgeben von verschiedensten wundervollen Menschen, die das Leben so bunt machen.

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Sommergemüse mit Hähnchen

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Ich muss gestehen, ich bin keine all zu gute  Köchin. Und auch nicht sehr geduldig. Die liebsten Rezepte sind mir die, die mit geringem Aufwand, einfachen Zutaten und wenig Vorarbeiten durchzuführen sind. Hier ist so ein Rezept. Viel frisches Gemüse, viele natürliche Aromen und ein großer Topf. Beliebig erweiterbar, für unverhoffte Gäste. Mit knusprigem Baguette und kühlem Weißwein ein unkomplizierter, mediteraner Traum…

Zutaten:

  • Hähnchenbrustfilets
  • Zucchini
  • Kirschtomaten
  • Brokkoli
  • rote Zwiebel
  • Paprika
  • frische oder getrocknete Kräuter, etwas Knoblauch
  • Salz, Pfeffer, Olivenöl

Alle Zutaten in kleine Würfel schneiden, Brokkoliröschen zerteilen. Mit Olivenöl und Kräutern würzen und alles zusammen in eine Auflaufform füllen. Im vorgeheizten Ofen bei 220 °C backen. Zwischendurch wenden. Anschließend mit Baguette servieren.

Ein Stück von mir…

Ganz unverhofft hatte ich heute die Möglichkeit, an einen Ort zurück zu kehren, den ich länger nicht besucht habe. Meine Studentenstadt, zumindest für einen Teil des Studiums. Es war der Ort, an dem ich die ersten Schritte in die Selbständigkeit tat, das Gefühl hatte, jetzt erwachsen zu sein. Wenn ich heute zurückkehre, dann haben einzelne Orte eine besondere Bedeutung für mich. Sie sind immer noch verbunden mit den Gefühlen von damals und strahlen eine Vertrautheit aus, wie wenige andere. Ich hatte das Gefühl, als wäre ein Stück von mir dort geblieben und beim Schlendern durch die Gassen war es, als würde ich diesem alten Teil von mir begegnen. Und mit einem Lächeln verstand ich plötzlich, wie eine Erfahrung zur nächsten führte. „Das Leben rückwärts verstehen“, davon spricht Kierkegaard. Heute war mir sehr bewusst, was er damit meinte…

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Zauberworte

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Die Gedanken von Viktor Frankl waren mir schon immer sehr nah. Ich beschäftigte mich mit ihm vor Jahren in Fortbildungen und war von Anfang an begeistert von seiner bewundernswert positiven Einstellung zum Leben. Jetzt begegnete er mir in einer Fachzeitschrift wieder und ich erlebte beim Lesen dieselbe Faszination wie damals. Gedanken, mit denen man sich immer mal wieder beschäftigen muss.

„Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: Was das Leben von uns erwartet.“ (Viktor Frankl)

 

erinnert durch: Gehirn&Geist Nr.08/2017

Dann…

Wenn dein Glück kein Glück mehr ist
dann kann deine Lust noch Lust sein
und deine Sehnsucht ist noch
deine wirkliche Sehnsucht
Auch deine Liebe kann noch deine Liebe sein
beinahe noch glückliche Liebe
und dein Verstehen kann wachsen
Aber dann will auch deine Traurigkeit
traurig sein
und deine Gedanken werden mehr und mehr
deine Gedanken
Du bist dann wieder du und fast zu sehr bei dir
Deine Würde ist deine Würde
Nur dein Glück ist kein Glück mehr

Erich Fried

Für mich eines seiner schönsten Gedichte!

Und immer wieder diese eine Frage: Erwarten wir zu viel vom Glück?

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In heaven

Weil ich die Idee so wunderbar finde – den Anstoß öfter zum Himmel zu blicken -zeige ich euch eine reduzierte dramatische Schwarz-weiß-Aufnahme des Himmels über mir. Wer hat nicht als Kind Figuren gesucht, Gebilden am Himmel Bedeutung gegeben. Manchmal mache ich es heute noch. Und ich schaue lange nach oben und dann verändern sich die Gebilde und ziehen weiter. Es könnte uns daran erinnern, dass alles fließt, nichts bleibt, wie wir es derzeit haben und manchmal festhalten möchten. Der Farbe entzogen, fasziniert er mich nicht weniger. Das Blau ergänzt unsere Fantasie – ganz nach Belieben…

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